Dido and Aeneas

Dido and Aeneas

Henry Purcells Oper “Dido and Aeneas” mit dem Libretto von Nahum Tate nach einer Episode nach Verglas “Aeneis” wurde 1689 in Chelsea uraufgeführt. In Oslo wurde sie erstmals 1953 gezeigt, und gerade hat Den Norske Opera & Ballett des Stückes erneut angenommen und ein wunderbare Interpretation (Choreografie und Regie Andreas Heise) auf die Nebenbühne “Scene 2” gebracht. Es ist die Geschichte um Dido, Königin von Karthago, die unsterblich in Aeneas verliebt ist. Die Zauberin, die Dido hasst, plant eine Intrige gegen sie: In der Gestalt des Merkur befiehlt sie Aeneas, die Stadt sofort zu verlassen. Aeneas durchschaut die List nicht und folgt dem Befehl des vermeintlichen Gottes. Dido stirbt tief enttäuscht in Einsamkeit. Ehe das Bühnen- Spektakel überhaupt beginnt, wälzen sich Zauberin und Aeneas im Liebesspiel leidenschaftlich auf der fats leeren Bühnen hin und her. Langsam wandert die Lichtsetzung zur Mitte des Raumes und gibt die sieben Barocksolisten, acht Choristen (Chor: Martin Wettges) sechs Tanz- und fünf Gesangssolisten frei. Sie beobachten staunend das spärlich bekleidete Paar, selbst in historische Barock-Kostüme gewandet.

Violinist Bjarte Eike führt seine Musiker nicht nur als musikalischer Leiter durch die Partitur, sondern wirbelt als Teil einer Barockband mit historischen Instrumenten durch das Stück, mit der Frische von Quasi-Improvisationen die Handlung vorantreibend, sie ergänzend, erläuternd. I dieser Funktion ist zusätzlich das Ballett zu erleben. Die Sänger werden durch Tänzer gedoppelt, Aussagen von Handlung und Musik verstärkt. Dido erhielt die Tänzerin Heidi Cecilie Baastad Christensen zur Seite, Aeneas war mit Tänzer Sindre Berntsen gekoppelt. So wurden Handlungsstränge betont, Gefühlsregungen und Unterbewusstes sichtbar gemacht. Die Handlung durchläuft eine Klimax, Leidenschaften laufen fast total aus dem Ruder. Die höfische Kleidung wird fallengelassen. Die vielfältig individuell expressive Tonsprache des Komponisten wirkt überraschend modern. Die betörende musikalische Qualität aller Mitwirkenden lässt keine harmonische und melodische Raffinesse verloren gehen. Herrlich gesungen nicht nur das Lamento “When I am laid” über einem chromatischen Ostinatobass von Astrid Norstad als Dido, die mit feiner, souverän geführter, wohlklingender Sopranstimme und berührender Bühnenpräsenz erfreut. Großartig auch Lydia Hoen Tjore als Belinda, mit leuchtendem Sopran, ebenso hervorragend Eira Sjaastad Huse (die andere Frau). Desirée Baraula gestalt die Rolle der Zauberin mit voluminösem Mezzosopran und sinnlicher Darstellungskraft, verführerisch in jeder Hinsicht, wie es die Rolle verlangt. Die Tenorestimme von Mikkel Skorpen (Aeneas) ist angenehm, noch jung, doch voller Potenzial, das er sicher auch darstellerisch noch entwickeln wird.

Der Bühnenhintergrund (Bühne und Kostüme von Bregje van Balen) wird sehr sparsam durch Videoprojektionen (Jan Martin Vagen, Andres Arenas Zanabria) belebt und lenkt glücklicherweise nie von der Leistung der Darsteller ab. Das Publikum im ausverkauften Saal applaudierte ausgiebig und tobte vor Begeisterung. Übrigens hatte Purcell diese seine erste Oper für eine Aufführung in einem Mädchenpensionat vertont. Man könnte zweifeln, ob sie wirklich geeignet war, die adligen jungen Damen die Gefahren der Liebe warnend zu vermitteln. Auf jeden Fall hätte die Inszenierung der Oper Oslo viel - noch mehr- Neugier bei ihnen geweckt.

by G. Helbig

Andreas Heise